
Was wir täglich auf unseren Teller füllen oder im Restaurant von der Karte auswählen, scheint im ersten Moment vor allem für uns selbst wichtig zu sein – in erster Linie in Bezug auf Geschmack und in zweiter Linie auch im Hinblick auf unsere Gesundheit. Das ist natürlich richtig; allerdings auch nur die halbe Wahrheit. Schaut man einmal über den eigenen Tellerrand hinaus, zeigt sich schnell: nicht nur Geschmack fängt auf dem Teller an! Mit jeder Mahlzeit kann man darüber hinaus nämlich dafür sorgen, dass unschuldige Tiere verschont bleiben, unser Klima nicht weiter für unsere Lebensweise zahlen muss und Pandemien zukünftig vielleicht verhindert werden.
Vorurteile wie „Fleisch essen ist krass männlich“ oder „nur aus Tierprodukten kriegt man genug Proteine“, sind mittlerweile mehr als einmal entkräftet worden. (1) Was bleibt, ist die Gewohnheit und vielleicht die Angst davor, bestimmte Geschmäcker zu vermissen und nie wieder in den „Genuss“ von einigen Lieblingsgerichten zu kommen. Doch wie gut kann es einem wirklich noch schmecken, wenn man weiß wie die Tiere leiden, die eigens für unsere Ernährung gezüchtet, gemästet, gequält und schließlich gemetzelt werden; und das nur, weil der Mensch, als das „stärkere“ Tier, der Meinung ist: „Ich darf das“. Gleichzeitig jedoch werden andere Tierarten, die eben nicht als „Nutztiere“ sondern als „Haustiere“ deklariert werden, gehegt, verwöhnt und gepflegt. Mitunter wird „Fiffi“ im Kinderwagen umhergefahren, weil er von zu viel Liebe durch den Magen einen kleinen Hängebauch bekommen hat und nun nicht mehr so gut zu Fuß ist. Wo die einen mit Zuneigung nur so überhäuft werden, gelten die anderen als Abfall und Mittel zum Zweck für das eigene leibliche Wohl. Diese Art der Diskriminierung nennt man im Fachjargon „Speziesismus“ – also das Bevorzugen einer bestimmten Tierart gegenüber einer anderen; aus unspezifischen Gründen. Durch diese Denkweise hatte nun z.B. der Nachfahre des Wolfes das Glück der „beste Freund des Menschen“ zu werden und so halten heute ca. 10 Millionen Haushalte in Deutschland mindestens einen Hund (1). Stattdessen werden im Jahr ca. 5-Mal so viele Schweine geschlachtet (2) – obwohl man weiß, dass Schweine den Hunden sehr ähnlich und teilweise sogar noch intelligenter sind. Ist ihr einziger Fehler also, dass sie nicht ganz so treudoof gucken können? (Übrigens auch nur eine evolutionär entwickelte Eigenheit von Hunden, weil wir genau das bevorzugen und eben diese Exemplare favorisierten, die den „Hundeblick“ drauf hatten (3))
Wir von Pro Lebensglück e.V. wissen persönlich (und sind sehr glücklich darüber uns immer wieder davon überzeugen zu können), dass auch Schweine, Kühe, Ziegen, Schafe und Co. ganz eigenständige Persönlichkeiten sind und dazu noch hervorragende Kuschelpartner, die einem jeden Tag ein Lächeln ins Gesicht zaubern können – genauso wie der „treudoofe Fiffi“ oder die charakterstarke Mieze auf dem heimischen Sofa. Speziesismus ist also, wie so viele andere Arten der Diskriminierung, nichts anderes als eine von Voreingenommenheit, Unwissenheit und Ängsten getriebene Denkweise, mit der wir bereits als Kinder aufwachsen.
Vielleicht denkt ja der ein oder andere sogar noch an das Tier, welches da auf seinem Teller gelandet ist. Vermutlich aber denkt kaum jemand daran, was die derzeit vorherrschenden Wetterkatastrophen mit dem servierten Stück Fleisch zu tun haben könnten. Obwohl auch diese Fakten mittlerweile wohlbekannt sind, möchten auch wir sie in dieser Aufzählung nochmal betonen: Klimaschutz beginnt auf dem Teller. Man kann noch so viel mit dem Fahrrad fahren, den Urlaub in der Heimat verbringen statt weg zu fliegen oder seine gesamten Lebensmittel im „unverpackt“-Supermarkt kaufen, keine dieser Maßnahmen wird jedoch so effektiv sein, wie auf Fleisch, Fisch und andere tierische Produkte zu verzichten. In der Tierindustrie werden Unmengen an Futter benötigt, dazu braucht es noch mehr Mengen Wasser und zum Schluss muss dieses Futter ja dann auch noch transportiert werden – oftmals aus Gebieten, in denen Regenwald extra für den Anbau gerodet wurde. Kurzum: es hat eine massiv schlechte Ökobilanz und führt zum Ausstoß von CO2 und dem Verbrauch von enormen Wassermengen. Im Gegensatz dazu binden Pflanzen, wie z.B. Gemüse, auch noch CO2 und können regional angebaut werden. Es ist nicht zu bestreiten, dass wir es hier mit einer einfachen als auch logischen Rechnung zu tun haben, wenn es um das Klima und Veganismus geht. (4)
Zu guter Letzt noch ein Thema, welches uns spätestens seit Beginn 2019 interessieren sollte. Wir wissen, dass das böse Wort mit C schon keiner mehr hören kann, aber Corona hat uns vor Augen geführt, was wir lange nicht wahr haben wollten und auch trotz diverser anderer Krankheitsausbrüche weltweit erfolgreich wegignoriert haben: unsere weltweite Ernährungsweise führt zu Masseninfektionen. Man kann einen riesigen Beitrag leisten, Pandemien vom Speiseplan zu nehmen, wenn man sich bewusst entscheidet, gänzlich auf tierische Produkte zu verzichten (oder den Verzehr wenigstens massiv zu reduzieren). Das Stichwort heißt in diesem Zusammenhang Zoonose, also Krankheiten, die vom Tier auf den Menschen übertragen werden können. Durch die stetig steigenden Bevölkerungszahlen auf der Erde in Kombination mit den vorherrschenden Ernährungsweisen, steigt auch der Bedarf an tierischen Produkten. Da wir aber nicht unbegrenzt Platz zur Verfügung haben, wird also mehr Tier auf die gleiche Fläche gequetscht: voilà – Massentierhaltung. Ein absolut herrlicher Ort für Viren, Parasiten und andere Krankheitserreger, die sich hier ungestört ausbreiten und weiter entwickeln können. Auch Versuche diesem Prozess mittels Antibiotika Herr zu werden, scheitern kläglich und führen nur zu noch infektiöseren, widerstandsfähigeren Erregervarianten. SARS, MERS, Schweinegrippe, Vogelgrippe und Corona sind nur einige der Beispiele (aus dem 21. Jahrhundert!). Auch die Übertragung von Wildtiererregern auf den Menschen wird dadurch begünstigt, dass wir immer weiter in deren Lebensraum vordringen und auch der Handel mit Wildtieren immer mehr zunimmt. Dadurch schneiden wir uns aber gehörig ins eigene Fleisch. Wenn man also Lust hat, irgendwann mal wieder unbeschwert auf ein Festival zu gehen, die Hochzeit des besten Freundes ohne 1,5 Meter Abstand zu feiern und Weihnachten nicht nur über Skype mit der Familie vereint zu sein, sollte man sich bewusst machen, dass jede Mahlzeit auf dem Teller hier einen Unterschied macht. (5)
Ganz anschaulich und als eine Art XXL-Merkzettel, kann man diese Fakten gerade an der Ecke Schleußiger Weg zur Dammstraße sehen, wo wir seit Montag ein riesiges Plakat platziert haben. Jeder Autofahrer, Radfahrer, Fußgänger und auch alle anderen Verkehrsteilnehmer werden hier nun jeden Tag für 10 Tage daran erinnert, dass eben doch jeder Einzelne etwas tun kann. Auch wenn es noch so klein scheint, ist die Wirkung groß – vor allem, wenn viele mitziehen!
Dein Teller ist machtvoll… believe it, or not! 😊
(1) https://www.medialegesundheit.de/2019/07/09/veganer-proteinmangel/
(3) https://www.nationalgeographic.de/tiere/2019/06/hundeblick-bietet-einen-evolutionaeren-vorteil
(4) https://www.aok.de/bw-gesundnah/nachhaltigkeit-und-umwelt/fleischkonsum-und-wie-er-dem-klima-schadet
(5) https://www.mdr.de/wissen/studie-zoonosen-durch-umweltzerstoerung-100.html






